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Kanarienvogel

großartiger Sänger (weitere Namen: Zuckervögelchen)

Kanarienvogel
Herkunft:Kanarische Inseln
Entstehungsdatum:1496
Lebenserwartung:6-10 Jahre
Wissenschaftlicher Name:Serinus canaria forma domestica
Verbreitung:Europa
Familie:Finken (Fringillidae)
Maße:11 bis 23 cm
Kompatibilität: gutGesangstalent: exzellentLärmpegel: sehr laut
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Geschichte und Herkunft [ bearbeiten ]
1496 eroberte Spanien die Kanarischen Inseln und von dort an haben sie auch den Kanarengirlitz, der wilde Ahne des Kanarienvogels, nach Europa importiert. Spekulationen zur Folge sollen schon die Ureinwohner der Inseln den Kanarengirlitz als Haustier gehalten haben, Hinweis hierfür sei der schöne Gesang des Wildvogels, dies konnte allerdings nie wirklich nachgewiesen werden. Der Siegeszug in Europa glückte den Kanarienvögeln sehr schnell, ihr buntes Gefieder und ihre ausgezeichneten Gesangskünste ließen sie zum Symbol für Luxus avancieren. Die stetige Nachfrage nach den Kanarienvögeln führte dazu, dass ständig mehr Tiere nach Spanien importiert wurden, die Mönche sahen darin eine lukrative Einnahmequelle und begannen die Tiere zu züchten. In Spanien entwickelte sich ein Kanarienvogel Monopol, es wurden lediglich männliche Tiere ins Ausland verkauft um diesen Status auch halten zu können. Es war nicht schwer für die Spanier die Weibchen zurück zu halten, da die männlichen Vertreter meist ein schöneres Gewand aufwiesen und auch die besseren Sänger sind. Spanien exportiere in alle bedeutenden europäischen Länder zu dieser Zeit, Mitte des 16. Jahrhunderts gelang es allerdings den Italienern an weibliche Kanarienvogel zu gelangen und so brach das spanische Kanarienvogel Monopol langsam zusammen.

Im Königshaus von England wurde Anfang des 17. Jahrhunderts mit der Zucht von Kanarienvögeln begonnen, Königin Elisabeth I. hatte sogar Bedienstete die nur zur Pflege der Tiere angestellt waren. Schon damals war für die britischen Kanarienvogelfreunde das äußerliche Erscheinungsbild der Vögel das Entscheidende, so ist es nicht weiter verwunderlich, dass die ersten neuen Arten auch in Großbritannien entstanden. Circa 1650 entstanden die ersten Hauben-Kanarienvögel und um circa 1700 die ersten Frisé- und Positur-Kanarienvögel. Als sich später auch Arbeiter und Handwerker die Tiere leisten konnten, wurde die Zucht um einiges verfeinert und perfektioniert.

In Frankreich begann die Zucht der Vögel im 16. Jahrhundert, anders als die Briten legten die Franzosen den Fokus auf die verschiedenen Färbungen der Tiere. Die ersten Mutationen der Tiere traten schon vor dem 17. Jahrhundert auf. Zu Beginn waren es lediglich gelbe Flecken, diese wurden allerdings sehr schnell zu völlig gelben Tieren weiter gezüchtet. Die Tiroler Gesangskanarien sind auch überwiegend gelbe Vögel. 1667 kam aus Deutschland die Meldung von reinweißen Tieren, vor dieser Meldung gab es schon Gemälde von weiß getupften Vögeln. In Büchern des 17. und 18. Jahrhunderts wurden auch graue, grau getupfte und braune Tiere erwähnt. In Holland wurden auch die ersten Achatvögel erwähnt. Da damals allerdings noch niemand über die Beeinflussung der Farb-Gene Bescheid wusste verschwanden die weißen, grauen und Achatvögel wieder.

In Tirol wurden schon Ende 16. und Anfang 17. Jahrhundert Kanarienvögel gezüchtet, nach wenigen Jahren bildete sich dort eine Zucht- und Handelszentrale für die Vogelart. Wie zuvor schon erwähnt zählten die Tiroler Zuchten auch zu den Ersten die gelbe und weiße Vögel züchteten. Die Tiroler waren es auch, die auf die Idee kamen, Nachtigallen als Vorsänger für junge Kanarien Hähne einzusetzen und somit ihre Gesangsleistungen weiter zu optimieren. Von Imst aus gingen die Tiroler Händler damals bepackt mit kleinen Käfigen, in denen sich die Vögel befanden, auf in die ganze Welt um ihre Tiere zu verkaufen. Anfang des 18. Jahrhunderts kamen die Kanarienvögel über Tirol nach Deutschland und nach Holland, dabei gelten Innsbruck, Nürnberg und Augsburg als die großen Handelszentren. Bis Ende des 16. Jahrhunderts wurden nur Gesangskanarien gezüchtet. Danach wurde auch auf die Farbe und zuletzt auf die Positur Wert gelegt. Die Blütezeit der Kanarienvogelzucht war das 18. Jahrhundert. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann im Harz die Zucht, da viele Tiroler auf Grund höherer Löhne dorthin ausgewandert waren. Hier konzentrierte man sich auf den Gesang und verbesserte die Gesangsqualitäten. So wurde der Harzer Roller innerhalb relativ kurzer Zeit weltberühmt. Ab 1842 wurden Kanarienvögel vom Harz in die USA exportiert. Der Absatz stieg 1860 bereits auf 15.000 pro Jahr. 1882 wurden 120.000 Kanarienvögel nach New York transportiert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erreichte die Harzer Zucht ihren Höhepunkt: Über eine Million Harzer Roller wurden exportiert.

Der Kanarienvogel diente auch als „Alarmanlage“ beziehungsweise als Schützer der Tiroler und im 19. Jahrhundert auch der Harzer Bergarbeiter. In dem schwachen Licht einer Öllampe wurden die Gesangskanarienvögel, insbesondere der Harzer Roller, „unter Tage“ gebracht und dort in kleinen Käfigen an der Grubendecke befestigt. Wenn der Sauerstoffgehalt der Luft zurückging wurden die Vögel unruhig. Das war für die Bergarbeiter das Zeichen die Arbeit sofort einzustellen, um einem Erstickungstod zu entgehen.

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Farbkanarienzucht populär. Die seinerzeit ausgestorbenen Mutationen traten wieder auf und es kamen noch weitere hinzu. Mit dem Wissen der Vererbungsmechanismen (Mendel\'sche Gesetze) war es nun nicht mehr schwer, die aufgetretenen Mutationen zu festigen und stabile Zuchtstämme aufzubauen.

Das wohl größte Ereignis in der Farbenkanarienzucht war die Realisierung des roten Kanarienvogels durch die Einkreuzung des Kapuzenzeisigs. Es war jedoch ein langer Weg, das Rot zu stabilisieren, da nur ein geringer Prozentsatz der männlichen Mischlinge aus Kanarienvogel und Kapuzenzeisig fruchtbar war. In der Zeit zwischen 1915 und 1925 gelang es einigen deutschen Züchtern – vor allem dem in Ostpreußen lebenden Bruno Matern – die roten Kanarienvögel zu festigen. Auch wenn die Farbkanarienzucht in Deutschland die wohl wichtigsten Impulse bekam, so wurde doch diese Zucht in den Niederlanden und Belgien viel fleißiger betrieben.

Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts begannen Züchter, gezielt neue Rassen zu schaffen und bekannte Rassen zu standardisieren. Beispielsweise begann man in den 1980er Jahren Zwergformen von einigen Rassen zu züchten. Bei der Kanarienvogelzucht werden große Fortschritte erzielt, so dass einige Rassen so in ihrem Genmaterial gefestigt sind, dass sie international anerkannt werden. Auch werden fast jährlich neue Rassen aus fernen Ländern entdeckt.
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Temperament [ bearbeiten ]
Kanarienvögel haben mit ca. 6 Monaten die Jugendmauser abgeschlossen und sind damit erwachsen. Mit etwa 9 Monaten erreichen sie die Geschlechtsreife. Männliche Kanarienvögel sind sehr gute Sänger, weibliche Tiere singen in der Regel nicht. Kanarienvögel sind keine Schwarmvögel wie etwa Wellensittiche. Schwarmhaltung funktioniert nur in Herbst und Winter, während der Brutzeit, also in Frühling und Sommer ist eine paarweise Haltung empfehlenswert. In dieser Zeit bilden die Hähne durch Singen Reviere und dulden meist keinen Rivalen in ihrer Nähe. Es kommt zu Streitereien, die zum Tod führen können. Das Singen der Hähne in der Brutzeit dient nicht nur der Revierbildung, sondern auch der Balz. Im Herbst beginnt der Kanarienvogel mit der Mauser und wechselt sein gesamtes Federkleid, im Winter folgt die Ruhezeit. Von einer Vergesellschaftung mit anderen Vogelarten ist eher abzuraten. Bei genügend Platzangebot mag eine Vergesellschaftung durchaus funktionieren, jedoch sollten die möglichen Probleme wie z.B. unterschiedliche Futteransprüche, Verletzungsgefahr, zu unterschiedliche Verhaltensweisen der Vogelarten etc. vorher bekannt sein. Grassittiche gehören zu den friedlichsten Sittichen, weshalb bei genügend Platzangebot und Futterumstellung der Kanarien eine Vergesellschaftung am ehesten möglich wäre. 
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Äußeres Erscheinungsbild [ bearbeiten ]
Es gibt drei Arten von Kanarienvögeln:
  • Farbkanarien, welche sich wiederum in Lipochrom- (gelb, rot, weiß) und Melaninvögel (alle dunklen Farben wie schwarz, braun) unterteilen.
  • Gesangskanarien, deren bekannteste Vertreter der Harzer Roller, der Spanische Timbrado und der Belgische Wasserschläger sind.
  • Positurkanarien wie z.B. Gloster Fancy, Yorkshire, Raza Espanola, Nordholländer.
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Haltung [ bearbeiten ]
Kanarienvögel sind sehr aktive Vögel, die es genießen, im Käfig umher zu fliegen, weshalb es wichtig ist, genügend Platz für die Tiere zur Verfügung zu stellen. Kanarien brauchen kein Spielzeug. Viel wichtiger ist es, sie immer wieder mit frischen Naturästen von unterschiedlichem Durchmesser, die auch frei schwingend im Käfig oder der Voliere angebracht werden sollten (trainiert zusätzlich die Beinmuskulatur), zu beschäftigen. Von besonderer Bedeutung  ist die Unterbringung der Kanarien im Jahreskreislauf. Die Wildform des Kanarienvogels lebt in freier Wildbahn in einem klar geregelten Jahresrhythmus. Im Frühling finden sich Brutpaare, die in einem klar definierten Revier zur Brut schreiten, diese dauert bis zum Spätsommer, woraufhin die Vögel in die Mauser kommen. Nach Abschluss der Mauser finden sie sich zu lockeren Schwärmen zusammen, der Winter stellt die Ruhephase dar und im Frühjahr beginnt die nächste Brut. Der Halter sollte möglichst darauf achten, diesen Rhythmus in der Kanarienhaltung nachzuempfinden, was mit der unterschiedlichen Menge an Grünfuttergabe (in Frühling und Sommer abwechslungsreicher als in Herbst und Winter), der Regulation der Tageslichtlänge (die Vögel sollten immer nur solange Licht haben, wie es draußen hell ist) und der Temperatur (in Frühling/Sommer wärmer als in Herbst/Winter) relativ leicht zu erreichen ist.
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Ernährung [ bearbeiten ]
Kanarienvögel sind Körnerfresser. Typisches Kanarienvogelfutter besteht aus Kanariensaat, Hirse, Hafer und aus einem Anteil fetthaltiger Sämereien wie Negersaat, Leinsamen und Rübsen. Die Zusammensetzung kann natürlich immer ein wenig variieren. Im Handel ist sehr gutes Mischfutter erhältlich. Zusätzlich zum Körnerfutter sollte je nach Jahreszeit Grünfutter, Obst und Gemüse gereicht werden (2-3-mal wöchentlich im Sommer, einmal pro Woche im Winter). Besonders zu betonen ist jedoch, dass das Hauptfutter des Kanarienvogels Körner und Sämereien sind. Kanarien fressen außerdem gerne gekochtes Ei, welches jedoch den Bruttrieb fördert, und aus diesem Grund nur während der Brutzeit gereicht werden, falls Jungvögel erwünscht sind.
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Gesundheit [ bearbeiten ]
Kanarienvögel neigen zu Feder Zysten, Kanarienpocken und Ornithose. Meist beschränken sich die Krankheiten der Tiere jedoch auf den Befall von Parasiten oder Brüche von Flügeln, Zehen oder der Beine.
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Trivia [ bearbeiten ]
Der berühmteste Kanarienvogel der Welt ist Tweety, der animierte kleine Piepmatz der Bugs Bunny Show von Warner Brothers.
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