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Thursday, 27. March 2008
Autor: Richard Fussenegger
Autor: Richard Fussenegger

Als erstes ist der Status Quo zu ermitteln, sprich: was für einen Charakter hat meine jetzige Katze eigentlich. Habe ich eine dominante und wilde Katze oder eher eine schüchterne und zurückhaltende, oder vielleicht einen Couch-Potato Kater? Je nachdem was für einen Charakter die Katze hat sollte die neue Katze passen gewählt werden. Denn sollten ein Wilder und ein Schüchterner aufeinandertreffen wird die neue, schüchterne Katze sich nur sehr schwer einleben und sich womöglich nur verkriechen, nichts fressen und nicht spielen wollen. Andersrum würde es sich genau gleich verhalten, befindet sich allerdings ein fauler Kater in Ihrem Besitz so kann es nicht schaden eine wilde Mieze dazu zu gesellen, diese animiert den Faulpelz dann zu etwas Bewegung.
Weiters sollte in Betracht gezogen werden, dass die neue Katze etwas jünger ist als die alteingesessene Katze, ein Jungtier wird eine ältere Mieze problemlos als Ranghöher akzeptieren und eine älter Katze fühlt sich nicht bedroht in seiner Position als Alphatier. Es spielen natürlich noch weitere Faktoren eine Rolle, sollte Ihr Kater zum Beispiel nicht kastriert sein so dürfen Sie auf keinen Fall einen anderen, nicht kastrierten, Kater ins Revier einbringen – dies würde in heftigen Kämpfen ausarten. Kastrierte Kater hingegen lassen sich im Normalfall leicht an ein neues, jüngeres Katzenmitglied gewöhnen, da das Revierverhalten von Kastrierten meist nicht sehr ausgeprägt ist. Bei weiblichen Katzen sieht es etwas anders aus, die Damen sind oftmals schwieriger an neue Mitglieder zu gewöhnen und erweisen sich zeitweise als sprichwörtliche Zicken, unabhängig davon ob sterilisiert oder nicht. Bei einer Dame ist es sehr wichtig eine charakterlich passende Mieze in die Familie mit einzubringen.
Nachdem die Auswahl der neuen Katze erfolgt ist stellt sich natürlich die Frage, wie die Beiden schonend und ohne große Auseinandersetzungen aneinander gewöhnt werden können. Katzen agieren immer von einer Heimatbasis aus, dies ist der Platz innerhalb ihres Reviers an dem sie sich am meisten aufhalten. Bei Wohnungskatzen ist die Basis oft einfach zu bestimmen, bei halbwilden kann das unter Umständen etwas schwieriger sein. Hier gilt es wieder die Katze zu beobachten und zu analysieren. Wir nehmen einfach an, dass das Wohnzimmer die Heimatbasis des Revierbesitzers ist.
Die nächste Aufgabe ist es, einen Raum für die neue Mieze einzurichten, mit Katzen-WC, Futternapf, Wassernapf, Spielzeug und etwaigen anderen Utensilien die der Katze die neue Umgebung interessanter gestaltet.
Konfrontieren Sie die Fellnasen auf keinen Fall am Tag der Ankunft des Eindringlings – aus Sicht der alteingesessenen Katze – miteinander. Die neue Mieze sollte unauffällig in das für sie vorgesehene Zimmer gebracht werden, möglichst ohne, dass das alte Tierchen was davon mitbekommt. Lassen Sie dem neuen Kätzchen nun etwas Eingewöhnungszeit und vergessen Sie unter keinen Umständen Ihr altes Kätzchen – auf keinen Fall vernachlässigen, Mieze würde es Ihnen extrem übel nehmen und der Eindringling würde eine noch größere Bedrohung darstellen. Sollten Sie Ihrer alten Katze nicht genügend Aufmerksamkeit widmen wird diese verunsichert und frustriert zu drastischeren Mitteln greifen um sich bemerkbar zu machen. Unsauberkeit, Aggression oder Zerstörungswut, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Sobald sich das neue Kätzchen wohlfühlt in ihrer neuen Umgebung sollten die Miezen zum ersten Mal die Räume tauschen. Achten jedoch darauf, dass die Beiden sich beim Tausch des Raumes nicht begegnen, konsultieren Sie unter Umständen jemanden der Ihnen hilft. Nun haben die Kleinen die Möglichkeit die Gerüche des Anderen kennenzulernen und können sich schon etwas vertrauter miteinander machen. Nach einer gewissen Zeit wechseln Sie die Räume wieder – gleich vorgehen wie vorhin. Dies Wiederholen Sie nun immer öfter und sobald Beide nicht mehr knurren und alles erregt beschnuppert gehen Sie über zum nächsten Schritt – Sie öffnen unauffällig die Türe und ermöglichen somit den Beiden zum ersten Mal Sichtkontakt zu tätigen. Bevor Sie dies machen gönnen Sie Beiden eine kräftige Mahlzeit, mit vollem Magen streitet es sich schlecht. Mit kleineren Quereleien müssen Sie rechnen, solang es sich jedoch auf Knurren, Fauchen und kleinere Kämpfe beschränkt sollten Sie nicht eingreifen. Vernehmen Sie allerdings extremes Geschrei müssen sie Handeln, die Tiere trennen und die Türe wieder schließen. Um Kämpfe abzuwenden ist es auch möglich mit lauten Geräuschen die Aufmerksamkeit der Fellnase auf sich zu ziehen – Staubsauger zum Beispiel. Eine weitere Möglichkeit ist mit den Kleinen zu spielen und somit wiederum die Aufmerksamkeit von einander abzuwenden.
In Gegenwart Ihrer alten Katze sollten Sie die neue nicht zu stark umschwärmen, widmen Sie sich überwiegend Ihrem bisherigen Stubentiger. Um die Beiden weiter aneinander zu gewöhnen beginnen Sie damit die Futternäpfe näher zusammen zu rücken, immer näher und näher. Die Miezen sind beim Fressen meist schwer abzulenken und deshalb ist dies die perfekte Möglichkeit für ein Zusammentreffen. Sie dürfen Ihre bisherige Katze niemals bestrafen sollte Sie das neue Familienmitglied schlecht behandelt, noch Loben – darunter fällt auch Streicheln! Lassen Sie ein lautes Geräusch ertönen um abzulenken, oder starten Sie wieder mit einem interessanten Spiel. Wie viel Zeit die einzelnen Schritte beanspruchen hängt von den Katzen ab, zwingen Sie die Miezen zu nichts, lassen Sie ihnen die Zeit die sie benötigen – dann steht einer Katzenfreundschaft nichts mehr im Wege. Der Erfolg der Zusammenführung hängt von Ihrer Geduld und Ihrem Feingefühl ab, insofern Sie nicht versuchen sollten zwei nicht kastrierte alte Kater zusammenzuführen ist alles möglich – es braucht eben nur Zeit.
Abschließend noch etwas Interessantes: Sollten Sie in Erwägung ziehen eine Kurzhaarkatze mit einer Langhaarkatze zusammenzuführen, könnte sich das Ganze etwas komplizierter gestallten. Insofern Ihre Mieze zuvor noch keine Langhaarkatzen kennengelernt hat, wird sie das lange Haar als Kampfbereitschaft interpretieren – den Rest können Sie sich ausmalen.
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