Genau, wie beim Aussehen schon beschrieben, sind auch die Charaktereigenschaften der „Deutschen Spitze“ teilweise unauslöschlich ins Gedächtnis vieler Leute eingebrannt. Dies sind beileibe keine guten Eigenschaften – größtenteils sind es leider negative Vorurteile. Lassen Sie uns gemeinsam versuchen, hier etwas objektiver heranzugehen
Kläffer oder noch schlimmer Mistkläffer ist ein solches Schimpfwort, dass auch zugleich eine Unart beschreiben soll. Doch woher kommt sie? Der Spitz war nie ein Jagdhund, der ruhig sein musste. Seine Aufgabe bestand immer darin über Hab und Gut zu Wachen. Dazu war das Gebell unerlässlich. Dass der Spitz früher häufig auf Bauernhöfen lebte, erklärt auch den „Mistkläffer“. Gerade vom warmen Misthaufen konnte er sein ganzes Reich überschauen und bei Gefahr Bescheid sagen. Durch konsequente Erziehung ist dem Spitz aber ein Zuviel dieser Jahrtausende alten Eigenschaft leicht abzugewöhnen.
Hackenbeißer ist auch so ein Ausdruck, der auf Hinterhältigkeit und Feigheit verweisen soll. Was hat es damit auf sich? Ein Rottweiler beispielsweise hat es leicht, sein Reich zu verteidigen. Allein durch die Körpergröße kann er beeindrucken. Das fehlt dem Spitz und so muss er eine andere Taktik anwenden, um zum Ziel zu gelangen. „Zwei Schritte vor und Einer zurück“ hieß seit jeher seine Vorgehensweise. Im Zweifel schnell zubeißen und direkt wieder in die Deckung. Dazu wurde durch Gebell um Unterstützung nachgesucht. Doch die Zeiten, als „Spitz“ noch an der Kette lag, sind zum Glück längst vorbei. Wie anders ein moderner Spitz heute sein kann, zeigt der Kleinspitz, der in aller Seelenruhe mit Frauchen die Geschäfte in ihrem Brautmodengeschäft führt.
Kleinspitz beim Fotoshooting im Brautmodengeschäft
© Peggy Ansorge
Allerdings muss man zugeben, dass viele Spitze zwar ihren menschlichen Rudelführern treu ergeben, allen Fremden stehen sie eher reserviert gegenüber und es dauert eine Zeit, bis sie diese auch akzeptieren.
Gerade zu Kindern sind sie rücksichtsvoll und geduldig. Die beigefügten Bilder können das wirklich innige Verhältnis der Hunde mit den doch manchmal „nervigen“ Kindern nur andeutungsweise wiedergeben.
Vielleicht ist gerade bei der Familie mit Kindern eher eine größere Varietät zu bevorzugen, die auch schon einmal einen derberen Knuff vertragen kann. Ein Kind, das über einen Zwergspitz stolpert, könnte im schlimmsten Fall auch den Tot oder zumindest ein gebrochnes Rückrat des Hundes bedeuten.
Der fehlende Jagdtrieb ist eine weitere positive und in den Vordergrund zu stellende Eigenschaft. Um wie viel entspannter gestaltet sich der Ausflug mit dem Hund, wenn der Hund auch ohne Leine nicht hinter jedem Hasen, jedem Fasan herläuft und nur durch unermüdliches Rufen, wenn überhaupt, zur Rückkehr zu bewegen ist. Es ist nicht so, dass der Spitz überhaupt nicht an der Jagd interessiert sei; nur sieht er nach kurzer Zeit die Aussichtslosigkeit seiner Bemühungen selbst ein und kommt nach wenigen Metern zurück.
Gelehrigkeit ist eine weitere Eigenschaft. Hierunter darf aber nicht das oft zu sehende unermüdliche „Stöckchenwerfen“ verstanden werden. Auf solche Spiele stehen unsere Spitze überhaupt nicht. Abwechslung ist angesagt und das beim Spiel und auch beim Training. Kurze Einheiten, die nicht all zu oft hintereinander wiederholt werden dürfen, gefolgt von neuen Übungen bringen eher den gewünschten Erfolg. Mit dieser Devise lassen sich unsere Spitze erfolgreich zu Agility, Dogdancing und Obidience hinführen. Doch auch Begleithundeprüfung und die anschließende Ausbildung zum Such- und Rettungshund oder zum Therapiehund sind bei den großen Vertretern möglich. Der Kleinspitz hat sein Können schon oft im Zirkuszelt unter Beweis gestellt.
Großspitzrüde beim Besuch im Kindergarten
© Elke Rietze-Sulzbacher
Wäre zum Abschluss noch die Pflegeleichtigkeit des Spitzes zu nennen. Immer wieder hört man den Ausspruch: „DER macht aber viel Arbeit. Wie oft muss DER den gebürstet werden - doch bestimmt jeden Tag? ...“ Um so erstaunter sind die Gesichter der Leute, wenn man darauf antwortet, dass ein Bürsten einmal pro Woche völlig ausreichend ist. Erstaunen und Ungläubigkeit steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Wenn man ihnen dann auch noch erklärt, dass das Fell im Prinzip „selbstreinigend“ sei, können sie es gar nicht mehr glauben. Tatsache aber ist, dass ein Spitz nach einem Spaziergang bei Regenwetter durch die Felder zwar oberflächlich nass und schmutzig ist, das zweilagige Fell bewahrt ihn jedoch davor, nass bis auf die Haut zu werden. Der Effekt ist, dass er schnell wieder trocknet. Auch der Schmutz bleibt in der oberen Fellschicht haften. All zu viel davon, kann kurz mit einem feuchten Tuch entfernt werden. Der Rest fällt einfach von selbst da heraus, wo Spitz sein verdientes Schäfchen hält. Mit Handfeger und Kehrblech ist der Schmutz schnell beseitigt und der Hund wieder sauber.
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