Das Mittel Trasylol wurde zur Reduktion der Blutungsneigung eingesetzt. Für seine Entwicklung mussten tausende von Tieren in Versuchen ihr Leben lassen. So wurde unter anderem bei zahllosen Säugetieren künstlich ein Herzinfarkt hervorgerufen, indem die Blutzufuhr zum Herzen mittels einer Schlinge um die Herzarterie verhindert wurde. An diesem „Modell“ wurde dann die Wirkung von Trasylol beobachtet.
Der Deutsche Tierschutzbund verweist auf verschiedene wissenschaftliche Studien der letzten Jahre, darunter eine, an der sich seine Akademie für Tierschutz beteiligt hatte. Diese bestätigen die Zweifel an der medizinischen Relevanz von Tierversuchen, die weiterhin in großem Maßstab durchgeführt werden. „Nachdem wir im letzten Jahr erneut einen Anstieg der Tierversuchszahlen auf über 2,5 Millionen allein in Deutschland zu verzeichnen hatten, haben Politiker aller Parteien Handlungsbedarf erkannt. Geschehen ist aber nichts. Dabei könnte eine Abkehr von der antiquierten Methode Tierversuch nicht nur den Tieren helfen, sondern auch neue und bessere Standards bei der Sicherheit von neuen Arzneimitteln ermöglichen“, so Rusche.
Hierfür reichten aber keine Lippenbekenntnisse aus. Die konkreten Vorschläge des Deutschen Tierschutzbundes lägen auf dem Tisch. Zudem beginne in diesem Jahr die Überarbeitung des Tierversuchsrechts in der EU. „Daher ist die Bundesregierung gefordert sich nicht irgendwann, sondern jetzt intensiv dafür einzusetzen, dass der Tierversuch als veraltetes Standardverfahren aus Gesetzen, Vorschriften, Industrie und Universitäten verschwindet und durch die verfügbaren modernen Methoden des 21. Jahrhundert ersetzt wird“, so Rusche abschließend.
Hintergrundinformationen:
Tierversuchszahlen BRD/EU
Allein im Jahr 2007 setzte Bayer 71.268 Tiere ein, der überwiegende Teil davon für die Entwicklung von Medikamenten. Die meisten Versuche wurden dabei an Nagern (Ratten und Mäuse) durchgeführt, deren Anteil im vergangenen Jahr rund 85 Prozent betrug. 6,2 Prozent der Tiere waren Fische, 3,4 Prozent Vögel. Ingesamt wurden allein von Bayer etwa 855 Hunde, Katzen und Affen (1,2 Prozent) bei Tierversuchen „verbraucht“.
Die Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes beteiligte sich bereits 2005 an einer Langzeitstudie[1], in der die Ergebnisse tierexperimenteller Forschungen an drei bayrischen Universitäten untersucht wurden. Die Studie, die sich auf die Analyse von mehr als 1000 Fachartikeln stützt, beweise, dass Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander klaffe: Es konnte nachgewiesen werden, dass in gerade einmal 0,3 % aller untersuchten Versuchsvorhaben die Übertragung von Tierversuchsergebnissen auf den Menschen gelang. Doch selbst aus diesen Forschungsvorhaben resultierte nach zehn Jahren keinerlei klinische Therapie für den Menschen. Und dies, obwohl genau diese in den damaligen Tierversuchsanträgen in Aussicht gestellt wurde.
[1] Lindl, Toni; Völkel, Manfred und Kolar, Roman: Tierversuche in der biomedizinischen Forschung . Eine Bestandsaufnahme der konischen Relevanz von genehmigten Tierversuchsvorhaben: Nach 10 Jahren keine Umsetzung in der Humanmedizin nachweisbar. ALTEX 22, 3/05

