Heute gibt es den 2. und letzten Teil mit Auszügen aus dem Buch „Terrarien bauen und einrichten“, zu Teil 1. geht es hier entlang.
Licht
Die Aktivität der Amphibien und Reptilien ist oft hauptsächlich vom Tag-Nacht-Rhythmus abhängig. Sie nehmen die Veränderungen mit ihren Sinnen wahr und reagieren darauf mit entsprechenden Phasen der Ruhe oder Aktivität. Auch andere physiologische Vorgänge werden vom Licht und seiner Intensität gesteuert oder beeinflusst, so beispielsweise bei vielen tagaktiven Tieren sogar das thermoregulative Verhalten. So ist es für viele Terrarientiere unerlässlich, den Behälter nicht nur artgerecht zu erwärmen, sondern auch den Lichtansprüchen der Art entsprechend auszuleuchten. Viele Reptilienarten zeigen ihr schönstes Farbkleid und ihr volles Verhaltensrepertoire nur bei ausreichender Lichtmenge.
Urlaub im Freien
Verantwortlich für den positiven Einfluss der Lichtintensität auf den Stoffwechsel ist wahrscheinlich das Scheitel- oder Parietalauge[1], ein rudimentäres Sinnesorgan auf der Kopfoberseite, das bei einigen Echsen durch eine, an ein Auge erinnernde Zeichnung gut zu erkennen ist. Man vermutet, dass die Tiere damit ihren inneren Rhythmus steuern, wie die Regulation der Körpertemperatur, Dauer der Sonnenbäder und auch Wachsein und Schlafen. Vielen Arten, darunter zahlreiche Leguane oder Krötenechsen, fast allen Chamäleons, den meisten Waranen, vielen Agamen und Skinken sollte man daher einen kurzen Sommerurlaub im Freilandterrarium oder in einer Voliere auf dem Balkon ermöglichen, denn oft wirkt sich die natürliche UV-Strahlung zusätzlich positiv aus.
Jahresrhythmen
Wichtig ist ebenfalls, dass Jahrestemperaturzyklus und Beleuchtungsdauer synchronisiert werden, da für zahlreiche wichtige Funktionen bis heute nicht geklärt ist, ob Temperatur, Photoperiode oder eine Kombination aus beiden Auslöser für bestimmte Verhaltensweisen der Tiere sind. Bekannte Beispiele finden sich beim Europäischen Chamäleon (Chamaeleo chamaeleon) und dem Parson-Chamäleon (Calumma parsonii) aus Madagaskar. Bei der ersten Art fällt der Beginn der Fortpflanzungsperiode genau mit dem Wechsel von zunehmender zu abnehmender Tageslänge in den Mittelmeergebieten zusammen. Fast genau zwei Wochen nach dem längsten Tag (21. Juni) beginnen die Tiere mit der Fortpflanzung. Calumma parsonii ist noch stärker von der natürlichen Tageslänge abhängig. So legen die Chamäleons unabhängig von der Temperatur eine Inaktivitätsphase im Winter ein, sitzen den ganzen Tag fast unbeweglich in ihrem Versteck und nehmen nur gelegentlich Nahrung oder Flüssigkeit zu sich. Etwa Mitte Februar mit zunehmender Tageslänge bei uns, werden die Chamäleons wieder aktiv. Dabei lassen sie sich nicht von der künstlichen Beleuchtung täuschen, sondern richten sich nur nach dem natürlichen Tageslicht.
Tageslängen
Die Sonnenscheindauer beträgt am Äquator das ganze Jahr über 12 Stunden. Bereits auf Höhe des zehnten Breitengrads, beispielsweise in San José (Costa Rica), schwankt die Tageslänge zwischen 11,6 und 12,7 Stunden, im Laufe des Jahres über eine Stunde. Ganz anders bei 50° Breite (Mainz): Hier ändert sich die Tageslänge von etwa 8,5 Stunden im Winter auf 16,3 im Sommer. Die Beleuchtungsdauer sollte daher auch im Terrarium je nach gepflegter Art entsprechend deren Jahresrhythmus schwanken.
Kennt man das genaue Herkunftsgebiet seiner Pfleglinge nicht, empfiehlt sich eine Beleuchtungsdauer von 14 Stunden im Sommer und 10 Stunden im Winter, für Arten aus den gemäßigten Breiten von 16 Stunden im Sommer und 8 Stunden im Winter. Dabei sollte man die Beleuchtungsdauer immer langsam verlängern und verkürzen.
Entgegengesetzt
In den südlichen Breiten fällt der Winter in unsere Sommermonate. Erhält man Tiere aus Gebieten südlich des Äquators, ist es oft recht schwierig, sie umzugewöhnen. Meistens bekommt man sie nur in unserem „Nordwinter“, weil sie dann aktiv sind. Am besten leitet man die Winterruhe, also die kühlere „Jahreszeit“ einfach ein halbes Jahr später ein, wenn auch bei uns Temperaturen und Tageslänge abnehmen. Bis dahin hält man Temperaturen und Beleuchtungsdauer konstant, entsprechend den Verhältnissen der Tiere in ihrem Sommer. Trotzdem bringt diese Methode oft Probleme mit sich. Einfacher ist die Pflege von bei uns geborenen Nachzuchten, da sie von Geburt an unsere Photoperiode (Schwankung der Tageslänge) und Temperaturschwankungen gewöhnt sind.
Für den Terrarianer ist es natürlich wesentlich leichter, die Tiere im Winter kühl zu halten als im Hochsommer. Steht das Terrarium in einem klimatisierten Raum ohne Fenster nach außen, kann man leicht die umgekehrten Jahreszeiten imitieren. Voraussetzung ist jedoch ein technischer Aufwand, der sowohl in Anschaffung als auch Betrieb sehr teuer ist. Um den Tieren eine sich im Jahresrhythmus ändernde Beleuchtungszeit zu bieten, wäre der ideale Aufstellplatz unter einem Plexiglasdach, wie es in Wintergärten, Gewächshäusern und besonders in zoologischen Gärten möglich ist. Ein solcher Standort hat zahlreiche Vorteile für viele Reptilienarten, Ausführlicheres dazu auf Seite 96.
Lichtintensitäten messen
Wenn man die Intensität künstlicher Beleuchtungskörper, auf die wir leider angewiesen sind, mit der des natürlichen Lichtes vergleicht, wird deutlich, dass diese Werte im Terrarium nicht einmal annähernd zu erreichen sind. Hier einige Zahlen: Die Beleuchtungsstärke einer 40-Watt-Glühlampe beträgt in einem Meter Entfernung noch etwa 35 Lux, in den Tropen in der Sonne beträgt sie etwa 100 000 Lux und selbst im Schatten eines Baumes noch etwa 10 000 Lux. Während ihrer Aktivitätsperiode sind die meisten Amphibien und Reptilien also fast nie geringerer Beleuchtung ausgesetzt, abgesehen von nachtaktiven oder auf dem Boden der Regenwälder lebenden Arten. Auf einem überdachten Balkon beträgt die Lichtintensität nur 500 Lux und direkt hinter einem Fenster nur etwa 2000 Lux. Wichtig ist, dass man sich bei der Beurteilung einer Lichtstärke nie vom persönlichen Eindruck beeinflussen lässt, sondern sie mit Luxmetern[2] nachmisst, wie sie im Pflanzenbedarfshandel erhältlich sind.
Die richtigen Lampen
Angaben über den Lichtbedarf der einzelnen Amphibien- und Reptilienarten sind nicht vorhanden und auch nur schwer zu ermitteln. Man muss sich auf seine Beobachtungsgabe verlassen und versuchen, Inaktivität oder auch mangelnde Farbintensität mit mehr Licht zu begegnen. Die höchsten Ansprüche stellen die Sonnenanbeter: zahllose Leguane, Chamäleons und Agamen. Oft leben diese Tiere in offenen Landschaftstypen, wie Wüsten und Trockensavannen.
Um den Tieren eine angemessene Lichtstärke zu bieten, aber auch aus Energiespargründen sollten nur hochwertige Strahler und Leuchtstoffröhren als Terrarienbeleuchtung eingesetzt werden. Ferner müssen alle Beleuchtungskörper, vor allem auch die Leuchtstoffröhren, mit Reflektoren ausgestattet sein, um ihre Leistung optimal zu nutzen.
Bei der Wahl der Lichtfarbe sollte man Leuchtstoffröhren mit einem möglichst natürlichen, dem Sonnenlicht ähnlichen Farbspektrum verwenden. Steht das Terrarium in einem separaten Zimmer, spielt die Lichtfarbe nur für die Tiere eine Rolle. Sehr angenehm für das menschliche Auge ist eine Kombination aus den Lichtfarben „tageslicht“ und „warmton“, die deshalb für das Schauterrarium im Wohnzimmer zu empfehlen sind. Die Leuchtstoffröhren sollten, zumindest bei der Reptilienhaltung, mit Niedervolt-Kaltlichthalogenstrahlern kombiniert werden, mit denen man lokale Licht- und Wärmeinseln im Terrarium schaffen kann. Dies ist optisch sehr schön und die Tiere halten sich dort auch bevorzugt auf.
Die Frage nach der Anzahl der Leuchtstoffröhren ist nicht immer so einfach, wie es in der Literatur erscheint, denn sie hängt ab von der gepflegten Amphibien- oder Reptilienart, dem Behältertyp, der Bepflanzung, der Terrarientiefe und -höhe, dem Aufstellplatz und weiteren Faktoren. Hier sollte man erfahrene Terrarianer fragen und sich auf die eigene Beobachtungsgabe verlassen.

Feuchtigkeit
Es ist bekannt, dass kein Lebewesen ohne Wasser existieren kann. Das gilt besonders für Amphibien, aber natürlich auch für Reptilien. Im Normalfall wird Wasser durch Trinken aufgenommen. Einige Reptilienarten aus sehr trockenen Regionen haben sich ihrem extremen und lebensfeindlichen Lebensraum in der Weise angepasst, dass sie ihren Wasserbedarf fast ausschließlich über die Nahrung decken. Viele Amphibienarten nehmen Wasser über die Haut auf und verbringen einen Teil ihres Lebens im Wasser. Feuchtigkeit wirkt also auf recht unterschiedliche Art und Weise auf die einzelnen Amphibien und Reptilien ein: als relative Luftfeuchtigkeit, Niederschlag und Substratfeuchte des umgebenden Milieus. Besonders groß ist die Abhängigkeit der Amphibien von der Feuchtigkeit, da ihre Haut sie kaum vor Austrocknung schützen kann. Sie benötigen daher auch fast immer eine feuchte Umgebung.
Relative Luftfeuchtigkeit
Sie kann in den einzelnen Lebensräumen recht unterschiedlich sein und in bodennahen Luftschichten entsteht sie meistens durch Abgabe von Feuchtigkeit aus dem Untergrund. Für eine artgerechte Tierhaltung sind genaue Kenntnisse darüber unerlässlich. Bei den Amphibien bewirkt erhöhte relative Luftfeuchtigkeit eine Aktivitätssteigerung, während sie bei zahlreichen Reptilien für eine problemlose Häutung sorgt.
Die höchste Luftfeuchtigkeit herrscht in den Regenwaldgebieten, sowohl in den bodennahen als auch in den höheren Luftschichten. In den heißen Trockengebieten der Tropen und Subtropen schwankt die relative Luftfeuchtigkeit im Laufe eines Tages enorm. Sie ist meist nachts am höchsten und in Bodennähe fast immer geringer als in der Höhe. Genau umgekehrt verhält es sich in den gemäßigten Feuchtklimaten. Auch hier sind also exakte Kenntnisse des Lebensraums der Tiere notwendig. Was nützt einem beispielsweise die Angabe, dass ein Gecko aus den heißen und ariden Savannenlandschaften Afrikas kommt, wenn er dort nicht unter trockenen Steinen sitzt, sondern in Termitenbauten lebt, die ganzjährig eine konstante relative Luftfeuchtigkeit von 80% aufweisen und in denen die Temperatur immer zwischen 28 und 29 °C liegt?
Niederschlag
Feuchtigkeit tritt in der Umwelt auch als Niederschlag in Erscheinung. Er wirkt bei zahlreichen Amphibien aktivitätsfördernd und hat häufig durch Trocken- und Regenzeit einen Einfluss auf den Ablauf der Fortpflanzungsperiode. Will man Nachzucht, ist ein Nachgestalten des natürlichen Jahresverlaufes oft unerlässlich und die Reaktionen auf einen Regenschauer sind oft sehr direkt und spontan. Pflegt man Kubalaubfrösche (Osteopilus septentrionalis) über längere Zeit, ohne dass die Tiere sich fortpflanzen, so reicht es oft aus, das Terrarium mit Hilfe einer Kreiselpumpe mehrere Nächte hintereinander konstant zu beregnen, um die Paarung auszulösen. Auch bei einigen wüstenbewohnenden Echsen und Schildkröten kann das Überbrausen des Terrariums ein Auslöser für das Paarungsverhalten sein. Am beeindruckensten ist ein heftiges Gewitter in der Wüste, vor allem, wenn es längere Zeit nicht mehr geregnet hat. Oft verlassen die Tiere ihre Verstecke schon, bevor die ersten Tropfen fallen und begeben sich auf die Jagd. Noch am selben Tag oder am nächsten beginnen sie mit der Fortpflanzung, denn die Zeit mit ausreichend Nahrung ist meist knapp.
Für manche Arten stellt das Wasser den natürlichen Lebensraum dar. Diese Tiere sollten in möglichst großen Aquarien gepflegt werden, die gegebenenfalls einen kleinen Landteil besitzen. Das Fortpflanzungsverhalten wird bei ihnen in der Regel nur durch Temperaturschwankungen ausgelöst. Jedoch sollte man immer wissen, woher die Tiere stammen, beispielsweise ob aus einem stehenden oder einem fließenden Gewässer.
Wichtig für die Eiablage
Oft wird bei der Pflege zahlreicher Amphibien und Reptilien der Substratfeuchte zu wenig Beachtung geschenkt. Tiere vieler Arten können Feuchtigkeit aus dem Substrat über die Haut aufnehmen und sind so relativ unabhängig von offenen Gewässern. Sehr wichtig sind feuchte Verstecke und Rückzugsgebiete, die aufgrund der Verdunstungskälte meist kühler sind als die Luft. Entscheidend ist die richtige Substratfeuchte bei der Pflege von Reptilien, die weichschalige Eier legen. Diese nehmen die für ihre Entwicklung benötigte Feuchtigkeit durch die wasserdurchlässige, pergamentartige Schale auf. Zu geringe Substratfeuchte würde zu Wasserverlust und damit zum Absterben der Eier führen. Zu hohe Substratfeuchte kann dagegen eine zu starke Wasseraufnahme bewirken, sodass der Embryo nicht mehr in der Lage ist, das Ei aufzuschneiden und erstickt. Die meisten Amphibien legen ihre Eier direkt ins Wasser, wo dann die Entwicklung des Eies und später der Kaulquappen stattfindet. Nur wenige setzen ihre Gelege an Land ab und haben dann oft komplexe Verhaltensweisen zur Versorgung des Nachwuchses mit Wasser entwickelt. Bekanntestes Beispiel sind manche Pfeilgiftfrösche, bei denen die Eltern die Gelege aktiv bewässern.
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