Die Haltung von Meerschweinchen erfordert die Fachkenntnis und die Bereitschaft für das Wohlergehen von abhängigen, empfindsamen Lebewesen über mehrere Jahre hinweg Verantwortung zu über nehmen. Fachkenntnis können Sie sich mit Hilfe von Büchern aneignen. Die Haltung mehrerer der kleinen Pflanzenfresser kann jedoch durch die täglich erforderliche Bereitstellung von abwechslungsreichem Frischfutter nicht unwesentlich den Geldbeutel belasten. Diese finanzielle Belastung – ergänzt durch notwendige Gesundheitsvorsorge und mögliche Tierarztkosten – kann daher das Budget von Kindern und Jugendlichen weit übersteigen. Daher sollten Eltern immer mit der Anschaffung der Meerschweinchen einverstanden sein und auch bereit sein, ihren Kindern finanziell unter die Arme zu greifen.
Grundvoraussetzungen
Meerschweinchen sind dämmerungs- und nachtaktive Fluchttiere. Sie reagieren auf laute Geräusche und plötzliche schnelle Bewegungen häufig mit Panik. Das Verständnis für diese Eigenart sowie der achtsame Umgang mit den schreckhaften Tieren müssen erlernt werden. Heranwachsende sollten Meerschweinchen daher nur unter Genehmigung, Anleitung und Aufsicht der Eltern erwerben.
Einzel-, Paar- und Gruppenhaltung
Das Tierschutzgesetz fordert eine artgerechte Haltung unserer Haustiere. Nicht artgerecht ist die Einzelhaltung eines Herdentieres. Selbst wenn wir dem Tier noch so viel Zeit widmen, einen Artgenossen kann der Mensch nicht ersetzen. Meerschweinchen sind Herdentiere und sollten daher mindestens zu zweit, besser noch in Gruppen gehalten werden.
Die leider sehr häufige Vergesellschaftung von Meerschweinchen mit Kaninchen ist nicht zu empfehlen. Obwohl beiden Tieren die gleiche Nahrung angeboten werden kann, sind es doch völlig unterschiedliche Spezies. Nicht nur die Verhaltensweisen der Tiere sind grundverschieden, auch die gegenseitige Verständigung durch Laute ist nicht möglich, worunter besonders die „redefreudigen“ Meerschweinchen sehr leiden. Auch wenn das Zusammenleben von Meerschweinchen und Kaninchen in der Regel friedlich abläuft, ist es doch nur eine stumme Notgemeinschaft. Eine Lösung wäre die gemeinsame Haltung von zwei Kaninchen mit zwei Meerschweinchen – das klappt in der Regel sehr gut.
Käfig und Freilauf
Die ursprünglich aus dem Gebirge stammenden, klettergewohnten Nager benötigen viel Bewegung. Eigentlich ist daher jeder Käfig zu klein, denn in einem Käfig leben zu müssen, bedeutet im Vergleich zu einem Leben in Freiheit immer eine Einschränkung der Bewegungsmöglichkeit und Lebensqualität. Das sollten Sie sich beim Kauf der Unterkunft für ihre vierbeinigen Freunde immer vor Augen halten.
Für zwei Tiere wird eine Käfiggröße von mindestens 100 cm Länge, 60 cm Breite und 50 cm Höhe empfohlen, regelmäßigen zusätzlichen Auslauf in der Wohnung vorausgesetzt. Bei Meerschweinchen, die in Gruppen gehalten werden, muss der Käfig entsprechend größer sein. Um eine gute Luftzirkulation zu gewährleisten, muss der Käfig nach mindestens zwei Seiten und nach oben nur durch Gitter abgeschlossen sein. Geschlossene Glasbehälter (z. B. Aquarium) oder Kunststoffgehäuse sind für die Haltung von Säugetieren gänzlich ungeeignet.
Bieten Sie Freilauf in der Wohnung nur unter Kontrolle an. Die Möglichkeiten, in einer Wohnung Schaden zu nehmen, sind für Meerschweinchen vielfältig. Neben Stromleitungen, giftigen Zimmerpflanzen, Putzmitteln und sonstigen schädlichen Substanzen können auch versehentliche Tritte oder zufallende Türen den Tieren zum Verhängnis werden.
Im Sommer eignet sich zum Freilauf eine eingezäunte Wiesenfläche im Garten, die allerdings vor direkter Sonneneinstrahlung und Regen geschützt sein muss. Wenn Sie die Meerschweinchen über Nacht im Freien lassen, muss das Gehege so gesichert sein, dass keine Räuber, wie z. B. Marder oder Ratten, hineingelangen können.
Käfigstandort
Meerschweinchen können Hitze nicht vertragen. Die optimale Temperatur, bei der sich die Tiere wohl fühlen, liegt bei 18 °C bis 24 °C. Höhere Temperaturen bedeuten Stress und schwächen die Abwehrkräfte gegen Krankheitserreger. Wählen Sie den Standort des Käfigs so, dass die Temperatur von 24 °C nicht überschritten wird. Besonders während der Wintermonate sollte der Käfi g nicht in der Nähe von Heizkörpern aufgestellt werden.
Der Käfig muss an einem ruhigen Ort – abseits vom Familientrubel – stehen, um den schreckhaften Tieren eine sichere Zuflucht zu bieten. Vermeiden Sie in Käfignähe laute Geräusche und schnelle, hektische Bewegungen. Besonders für Fluchttiere ist es wichtig, dass sie sich entspannen können und sich nicht ständig in Alarmstimmung befinden.
Einstreu
Verwenden Sie weiche Einstreu und schichten Sie diese mindestens 3 cm hoch auf, damit die empfindlichen Fußballen und Gelenke der kleinen Nager keinen Schaden nehmen. Das Material sollte nicht stauben, da die Atemorgane der Käfi gbewohner sonst stark belastet werden. Am besten eignen sich Holzspäne aus unbehandeltem Holz oder weiches Stroh. Torfmull ist wegen der Gefahr von Schimmelbildung nicht zu empfehlen. Katzenstreu ist, da hart und staubig, als Einstreu für einen Meerschweinchenkäfig vollkommen ungeeignet.
Käfigeinrichtung
Zur Fütterung von Obst und Salat eignet sich eine gut zu reinigende Schale aus Porzellan oder Ton. Bieten Sie Wasser in einem offenen Napf an. Um eine Verschmutzung durch Futter oder Ausscheidungen zu vermeiden, sollte der Napf für die Tiere gut erreichbar am Käfiggitter aufgehängt werden. Die oft verwendeten Trinkflaschen sind nicht zu empfehlen, da die Tiere mit der Zunge nur tropfenweise Wasser entnehmen können. Bei erhöhtem Bedarf (z. B. bei Nierenerkrankungen) reicht das oft nicht aus. Für kranke oder geschwächte Tiere kann diese mühsame Form der Wasseraufnahme zu anstrengend sein, so dass sie vor gefüllter Flasche verdursten. Ist die Trinkflasche undicht, was häufig passiert, so dass Wasser langsam auf die Einstreu tropft, ist neben der Gefahr der Schimmelbildung eine Kontrolle der täglichen Trinkmenge nicht mehr möglich. Auch aus hygienischer Sicht sind Trinkflaschen nicht unbedenklich.
Meerschweinchen fressen ungern Heu, das mit Kot oder Urin verschmutzt ist. Das Heu sollte daher in einer Raufe angeboten werden, aus der sich die Tiere die mundgerechte Portion herauszupfen. Solche Heuraufen können im Zoofachhandel erworben oder selbst gebastelt werden.
So wie ihre freilebenden Verwandten bei Herannahen eines Feindes in Höhlen flüchten, so benötigen auch unsere Hausmeerschweinchen einen Unterschlupf, um sich in „Gefahrensituationen“ oder vor einem aufdringlichen Artgenossen verstecken zu können. Holzhäuschen aus unbehandeltem Massivholz oder Kunststoff werden im Zoofachhandel angeboten. Sie sollten ohne Boden und mit einem ausreichend großen Einschlupfl och versehen sein. Achten Sie bitte beim Kauf darauf, dass das Holz keine scharfen Kanten oder Absplitterungen aufweist, die zu Verletzungen führen könnten.
Hygiene
Wechseln Sie die Einstreu grundsätzlich zweimal in der Woche komplett aus. In heißen Sommern, wenn sich Kot und Urin schneller zersetzen und dabei giftige Gase entstehen, oder bei Erkrankungen, bei denen Krankheitserreger ausgeschieden werden, auch öfters.
Der Käfig sowie die Einrichtungsgegenstände werden dabei mit sehr heißem Wasser gereinigt. Wenn Sie Spülmittel verwenden, muss anschließend mit klarem Wasser gründlich nachgespült werden. Verwenden Sie niemals Desinfektionsmittel bei der Routinereinigung des Käfi gs. Durch Daueranwendung solcher Mittel werden lediglich resistente Keime gezüchtet. Desinfektionsmittel sollten nur eingesetzt werden, wenn eine ansteckende Krankheit vorliegt. In einem solchen Fall sind allerdings die gängigen Haushaltsdesinfektionsmittel in der Regel nicht ausreichend wirksam. Bei ansteckenden Krankheiten benötigen Sie spezielle Präparate. Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt beraten.
Reinigen Sie die Käfigeinrichtungen gründlich, wenn diese verschmutzt sind. Zum Beispiel verwenden Meerschweinchen häufig ihre Holzhäuschen als Aussichtsplattform, wobei Kot und Urin auf dem Dach abgesetzt werden, was mindestens eine entsprechende tägliche Reinigung erforderlich macht.
Eine häufige Ansteckungsquelle für Infektionskrankheiten sind Wassergefäße. Daher sollten diese mindestens einmal, im Sommer zwei- bis dreimal täglich mit heißem Wasser und einer Bürste gereinigt sowie mit frischem Leitungswasser aufgefüllt werden. Kalkablagerungen, in deren Poren sich gerne Krankheitserreger festsetzen, müssen regelmäßig mit Essig oder Entkalker entfernt werden. Danach werden die Näpfe gründlich mit klarem Wasser ausgespült, damit keine Reste des giftigen Entkalkers in das Trinkwasser der Tiere gelangen. Die häufig verwendeten Nippeltränken sind nicht nur aus hygienischer Sicht bedenklich. In einem solchen geschlossenen System können sich Bakterien in kurzer Zeit sprunghaft vermehren. Wenn man die Röhre solcher Tränken öffnet und mit einem Finger an der Kunststoffwand entlang streift, kann man bereits nach wenigen Stunden sehr gut den Bakterienrasen als schmierigen Belag fühlen. Vor allem in den Nischen um den Nippel bzw. um die Kugel der Tränke herum sammeln sich Keime, die mit der Bürste kaum zu erreichen sind.
Offene Wassernäpfchen, an die Käfigwand eingehängt, sind besser geeignet und leichter zu reinigen.
| Weblinks: Offizielle Website des Eugen Ulmer Verlages |








