Die Kastration von Katzen ist ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Es gibt wirklich genug Katzenelend, genug Streunerkatzen, und nebenbei quellen die Tierheime aus allen Nähten. An die Vielen grausam getöteten, ausgesetzten, ertränkten unerwünschten Katzenbabies möchte ich gar nicht denken. Ein verantwortungsbewusster Katzenhalter lässt sein(e) Tier(e) kastrieren!
Ich bin immer wieder entsetzt, wie wenig die Leute über Kastration und vor allem deren Vorteile zum Wohl der Tiere wissen. In den Köpfen existieren immer noch Vorurteile, z.B. dass man eine Katze ihres Mutterglücks beraubt oder dem Kater seinen Spaß nimmt, wenn man sie kastrieren lässt. Es ist mir daher ein ganz dringendes Anliegen, hier mal aufzuklären, dass man seiner Katze oder seinem Kater nur Gutes tut, wenn man sie/ihn kastrieren lässt. Ich möchte diesen Artikel deshalb wirklich jedem Katzenhalter dringend ans Herz legen, um die Zusammenhänge bewusst zu machen.
In Österreich ist es seit 01.01.2005 im Tierschutzgesetz verankert, dass Freilaufkatzen verpflichtend kastriert werden müssen!
Ausgenommen sind von dieser Regelung (noch) Bauernhofkatzen und Zuchttiere - darunter verstehe ich allerdings nur eingetragene Züchter von Rassekatzen und keine "geplanten Würfe wegen der Kinder"!
Ja, das ist leider ein häufiges Argument, das ich gegen Kastration höre: "Wir lassen sie wegen der Kinder Junge bekommen." Auch wenn ich das Argument nicht gutheiße, ist es das einzige, das ich noch irgendwie nachvollziehen kann. Wenn es denn unbedingt sein muss, und sich gegen alle Vernunft dafür entscheidet eine Katze Junge bekommen zu lassen, dann wäre meine Bitte: Klärt wenigstens im Vorfeld ab ob es für alle Kätzchen (wenn man Pech hat werden es 5-6) gesicherte, gute Plätze bei verantwortungsbewussten Abnehmern gibt und lasst die Katze nach einem Wurf kastrieren!
Wenn es wirklich "nur wegen der Kinder" ist, gäbe es übrigens eine viel bessere Lösung: Viele Tierheime suchen gerade im Frühjahr händeringend vorübergehende Plätze für trächtige Katzen, damit diese ihre Jungen in entspannter Atmosphäre bekommen und aufziehen können statt in der Enge des Tierheimes, wo sie von anderen Katzen getrennt werden müssen und akute Platznot herrscht. Nach der Weitervermittlung der Jungen werden dann diese Katzenmütter wieder vom Tierheim zurückgenommen, es sei denn, man hat sich in dieser Zeit in die Katze verliebt und möchte sie behalten.
In ländlichen Gegenden, wie Vorarlberg (Österreich), sieht man kaum Rassekatzen, es gibt auch kaum Züchter. Hier herrscht noch der "Landadel", sprich einfache Hauskatzen und den Leuten würde gar nicht einfallen, dass man Katzen auch kaufen kann bzw. dass man für eine Katze, die man doch ganz umsonst beim Nachbarn oder Bauern bekommt, viel Geld bezahlen könnte. Man findet also (leider) durchaus Abnehmer. Da ist es schwierig, die Leute für die Kastration zu sensibilisieren.
Mir wäre einfach nur wichtig, dass sich jeder vor Augen führt, dass für jedes dieser unkontrolliert geborenen Kätzchen auch eine Tierheimkatze (auch dort gibt es gerade im Frühjahr junge Kätzchen) vermittelt werden könnte. Auch Kastration der eigenen Tiere trägt zum Tierschutz bei!
Geschlechtstrieb bedeutet Stress!
Wir Menschen sind ein eingebildetes Volk und glauben alle Lebewesen sind dem Menschen ähnlich, oder haben ähnliche Bedürfnisse. Im Gegensatz zum Menschen ist die Paarung bei den Katzen jedoch kein Vergnügen, dessen man sie beraubt wenn man sie kastriert, sondern ein reiner Trieb zur Arterhaltung.
Der Geschlechtsakt ist für Kätzinnen nichts angenehmes. Der Penis des Katers ist mit Widerhaken ausgestattet - man vermutet, dass dies bei der Katze den Eisprung auslöst -, der der Kätzin natürlich Schmerzen verursacht. Damit die Katze still hält, beißt sie der Kater in den Nacken. Nach dem Geschlechtsakt wiederum sucht der Kater schnellstens das Weite, weil sich die Kätzin wegen der Schmerzen wehrt und wiederum den Kater versucht zu beißen.
Auch die Rolligkeit ist für die Katzen purer Stress. Nicht umsonst lassen fast alle Besitzer von Wohnungskatzen ihre Katze spätestens nach der ersten Rolligkeit kastrieren, weil sie das tagelange, pausenlose Geschrei nicht aushalten. Wenn man aber genauer hinschaut, sieht man, dass da nicht nur das Geschrei ist. Die Katze findet keine Ruhe, frisst in diesen Tagen kaum etwas, streunt umher, kommt kaum nachhause und wenn, dann sieht sie oft sehr "verlebt" aus, nicht selten bringt sie Verletzungen mit.
Wer schon einmal eine säugende Katzenmutter erlebt hat wird vielleicht bemerkt haben wie sie dabei abmagert, wie ausgezehrt sie aussieht, weil sie nicht nur die Pflege der Jungen Kraft kostet, sondern weil sie buchstäblich "ausgesaugt" wird. Nicht umsonst hat es die Natur so eingerichtet, dass die Jungen nach ca. 10 Wochen von der Mutter immer öfter abgewiesen, später sogar oft verstoßen werden. Man kann die Jungenaufzucht von Katzen nicht mit dem "Mutterglück" einer Menschen-Mutter vergleichen, wo ein lebenslanges Mutter-Kind-Verhältnis herrscht. Man vergisst immer, dass es sich dabei um einen natürlichen Instinkt zur Arterhaltung handelt. Bei wild aufwachsenden Katzen kann man aber ganz deutlich sehen, dass die Jungen nur solange umhegt werden, wie es unbedingt nötig ist und sie dann oft nicht gerade sanft ins eigene Leben geschubst und verstoßen werden. Es ist daher kein Argument, wenn man sich sagt, dass jede Katze wenigstens einmal dieses Mutterglück erleben sollte!
Kater werden oft nicht kastriert weil man es nicht für nötig hält, wo sie doch ohnehin keine Jungen bekommen können. Nein, das können sie nicht, aber sie können jede rollige Kätzin im Umkreis "beglücken". Eine Beispielgeschichte wie schnell sich Katzen vermehren können findet sich HIER. Für Kater bedeutet der Geschlechtstrieb jedoch genau so viel Stress wie für Katzen und kann für sie sogar noch viel gefährlicher enden.
Kater können ein rolliges Weibchen auf eine riesige Entfernung hören und legen selber auch große Entfernungen zurück, um zu einem rolligen Weibchen zu kommen. Strecken von weit über einem Kilometer sind keine Seltenheit. Oft streunen sie tagelang herum und kommen in dieser Zeit manchmal auch gar nicht nachhause. Dabei sind sie regelrecht triebgesteuert, reagieren fast wie hypnotisiert und sind daher sehr viel unvorsichtiger - was bei der Überquerung von Straßen tödlich enden kann.
Die Konkurrenz schläft auch nicht, von einem rolligen Weibchen werden sämtliche potenten Kater der Umgebung angelockt, und die Rivalität ist groß: Jeder will seine eigenen Gene weitergeben. Katerkämpfe um ein rolliges Weibchen laufen nicht zimperlich ab und enden oft mit Verletzungen. Bestenfalls mit einem eingerissenen Ohr, oder schlimmer mit üblen Bissverletzungen die sich zu sehr schmerzhaften und unbehandelt sogar lebensgefährlichen Abszessen entwickeln können.
Wer schon einmal genau hingeschaut hat, erkennt den Unterschied zwischen potenten und kastrierten Katern - besonders im Frühling, wo der Geschlechtstrieb besonders stark ist. Potente Kater sehen wirklich "verlebt" aus - das Fell ist stumpf, oft verfilzt, teilweise tragen sie sichtbare Verletzungen, manchmal sind sie sehr abgemagert, obwohl man weiß, dass sie ein gutes Zuhause haben.
Ein kastrierter Kater hingegen hat das einfach nicht nötig, hat diesen Trieb und diesen Zwang nicht in sich und muss sich diesen Kämpfen nicht aussetzen.
Nicht zuletzt sollte man sich auch überlegen, was man anderen mit unkastrierten Katzen und Katern zumutet:
Potente Kater markieren äußerst geruchsintensiv - die Besitzer merken oft gar nichts davon, da sich die Kater im eigenen Haus, im eigenen Garten sicher genug fühlen und dort gar keine Markierungen setzen. Das Vergnügen hat dann die Nachbarschaft und auch die Nachbarschaft von unkastrierten Kätzinnen, welche die potenten Kater anlocken.
Es ist alles andere als angenehm wenn einem, kaum dass man eine Tür aufmacht, dieser beißende und alles überdeckende Geruch entgegenschlägt. Es bedeutet auch Ärger, wenn an alle Hausecken, Eingangstüren, Blumenkübel, etc. markiert wird, oder wenn man keinen Liegestuhl, keine Decke, oder Handtuch auf der eigenen Terrasse liegen lassen kann, weil alles sofort markiert wird.
Außerdem sind potente Kater häufig auch aggressiv, was für alle anderen Katzen im Revier auch Stress oder Kämpfe bedeutet.
Rollige Weibchen locken potente Kater von sehr weit her an. Da wird dann sehr schnell das Revier zu klein, und es kommt auch zu Kämpfen mit kastrierten und eigentlich friedlichen Katzen und Katern.
Kein Besitzer einer unkastrierten Kätzin braucht sich über geruchsintensive Katermarkierungen aufregen - das wäre mit der Kastration der Katze alles vermeidbar. Selbst wenn man das selber für ein paar niedliche Katzenbabies in Kauf nimmt, sollte man doch überlegen, was man der Nachbarschaft damit zumutet.
Die Kater können dafür nichts, das ist ihr Trieb und hat nichts mit Bosheit oder Unsauberkeit zu tun! Es liegt an den Besitzern, das zum Wohle sowohl der Kater als auch der Nachbarschaft zu unterbinden!
Ich jedenfalls würde nicht die Verantwortung übernehmen wollen, dass meine Katzen anderen solchen Ärger verursachen! Wer weiß, wie jemand reagiert, der Katzen ohnehin nicht mag und was er solchen Katern antut!
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