Gerade in der Zeit um Martini und Weihnachten rücken alljährlich unsere Essensgewohnheiten vermehrt ins Zentrum unseres Bewusstseins. Wir fühlen uns zu dick, essen zu viel und zu deftig, werden dicker und dicker, jedoch nicht gesünder. Übergewicht und Arteriosklerose sind unsere täglichen Begleiter.
Wir haben auch keine Skrupel unsere Haus- und Nutztiere zu stopfen. Zwar ist in Österreich das Gänse-Stopfen verboten und Gänse-Massentierhaltung gibt es eigentlich nicht, dennoch unterstützen wir solche Praktiken, wenn wir derartige Produkte kaufen oder ein Martini-Gansl aus Massenhaltung verspeisen. Das Stopfen der Gänse wird in Österreich zum Glück als Tierquälerei geahndet und als Konsumenten können wir dazu beitragen, solche Extrempraktiken zu verhindern. Vergessen wir dabei aber nicht, wie wir tagtäglich mit unseren eigenen Haustieren umgehen, wie wir sie möglichst lange gesund erhalten und im Bedarfsfall auch wieder gesund machen können.
Denn unsere Haustiere sind in diesem Sinne nicht geschützt. Sie werden durch falsche und zu ‚gut gemeinte’ Fütterung dicker und dicker - und krank. Würde diese Art der Tierquälerei gerichtlich verfolgt, die Anzahl rechtskräftiger Verurteilungen würde drastisch ansteigen.
Auch wenn es ‚Waldi’ oder ‚Mitzi’ also noch so gut schmeckt und sie noch so hungrig schauen, achten wir darauf was und wie viel sie fressen. Die gesundheitlichen Folgen von Übergewicht und Fehlernährung (Herz-Kreislaufprobleme, Erkrankungen des Bewegungsapparates, Diabetes usw.) sind hinlänglich bekannt und beeinträchtigen Lebensqualität und Lebensdauer unserer Haustiere. Auch ist nicht alles, was für den Menschen gut ist, notwendigerweise gut für unser Tier. Schokolade ist für Hunde und Katzen reines Gift. Zwar macht auch hier die Dosis das Gift aus, doch ist die Toleranz individuell verschieden und schon der Verzehr von geringen Mengen Schokolade kann bei Hunden und Katzen zu Vergiftungserscheinungen oder gar zum Tode führen.
Auch in Hinblick auf die Arzneimittelanwendung sollten die üblichen Stopfpraktiken am Tier kritisch überdacht und Traditionen nicht unreflektiert übernommen werden. Durch Nutzung alternativer Methoden könnten in vielen Fällen Tonnen von Antibiotika, Chemotherapeutika, Hormonen und Leistungsförderern, die Tier und Umwelt gleichermaßen belasten, eingespart werden.
Was vielen nicht bewusst ist: Nicht nur einzelne Haus- und Nutztiere können homöopathisch behandelt werden, auch Tiere in Herdenhaltung können mit homöopathischen Arzneimitteln geheilt werden. Während beim Einzeltier die individuellen Symptome über die Auswahl des passenden Mittels entscheiden, werden hier ganze Tierbestände - oft tausende gleichzeitig - homöopathisch therapiert, indem die gesamte Herde bzw. der ganze Stall als eine Einheit gesehen und behandelt wird.
Die tägliche Praxis in Homöopathie ausgebildeter Tierärzte zeigt: Mittels Homöopathie kann mehr als die Hälfte der üblichen Medikamente in der Herdentierhaltung eingespart werden. Eine Einsparung, die nicht nur den Landwirten – homöopathische Arzneimittel sind deutlich günstiger als schulmedizinische – zugute kommt, sondern aufgrund der geringeren Belastung für den Organismus auch dem behandelten Tier. Und da alle verabreichten Arzneimittel nicht spurlos abgebaut werden, sondern sich teilweise im Tierkörper und in weiterer Folge auch in der Umwelt anreichern, kann durch den Einsatz alternativer Behandlungsmethoden auch die Belastung der Umwelt so gering wie möglich gehalten werden.
Schon der Volksmund sagt: Was zuviel ist, ist zuviel. Nicht immer bedeutet ein Vielfaches vom ‚Guten’ tatsächlich eine Verbesserung. Nicht immer ist nur das Gegenteil vom ‚Schlechten’ der einzige Weg zu Gesundheit oder Glück. Eine Grundregel der Homöopathie lehrt, dass die jeweilige Dosierung, das Maß darüber entscheidet, ob etwas gut und hilfreich ist – oder eben nicht. Wir müssen also nicht völlig auf den Gänsebraten verzichten, um der Stopfgänsemast den Garaus zu machen, wenn wir bewusst Gänse aus biologischer Freilandhaltung konsumieren. Oder auf die Erkenntnisse moderner Forschung und Medizin, wenn wir dort, wo es sich anbietet, auf ebenso wirksame, aber schonende, alternative Heilmittel zurückgreifen. Zum Besten für Mensch, Tier und Umwelt.
In diesem Sinne schöne Feiertage und guten Appetit!
Dr. Peter Knafl
Präsident der ÖGVH
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