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Für den Notfall gut gerüstet

Beim Spaziergang kann jederzeit ein Notfall eintreten

Donnerstag, 26. März 2009
Autor: Melanie Bäumel
Für den Notfall gut gerüstet
© Melanie Bäumel

Tipps zur Ersten Hilfe beim Hund von Tierarzt Alexander Körtel

So schnell ist es passiert. Munter springt Bello durch den Park. Plötzlich hebt er laut jaulend die Pfote, und schon tropft dickes Blut vom Hinterlauf: Der Hund ist in eine Glasscherbe getreten und hat sich den Ballen aufgeschnitten. Für den Halter gilt es nun, den Schock schnellstmöglich zu überwinden und Erste Hilfe zu leisten, um die Blutung zu stillen. Aber auch andere Notfälle können auf Hundebesitzer zukommen. Wir haben mit dem Straubinger Tierarzt Alexander Körtel gesprochen, der uns Tipps zum Thema Sofortmaßnahmen im Notfall gegeben hat. In drei Bereiche teilt der Fachmann die Notsituationen: In mechanisch-traumatische Ursachen, in Aufnahme von Fremdsubstanzen und Fremdkörpern und in Anfallsleiden und anaphylaktische Schocks.

Zu den mechanisch-traumatischen Ursachen gehören zunächst einmal die Schnittverletzungen. Bei schwach blutender Wunde rät Tierarzt Alexander Körtel, eine Kompression aufzubauen: Mit einem Tuch oder einem Papiertaschentuch zum Beispiel. “Wenn man gar nichts geeignetes dabei hat, dann sollte man sich nicht scheuen, die Hand auf die Blutung zu halten, um diese zum Stillstand zu bringen”, so der Tipp des Experten. Blutet die Wunde hingegen stark, muss ein Druckverband angelegt werden und die Verletzung mit einem Gürtel und einem Stock abgebunden werden: “Der Stock dient dabei als Schraubwinde!” Danach muss der vierbeinige Patient so schnell wie möglich zum Tierarzt oder in die Tierklinik. Bei Stoßverletzungen mit Erguss- oder Hämatombildung gilt es, vorsichtig Druck auszuüben, einen Kompressionsverband anzulegen und die Stelle zu kühlen. Wird der Hund bei einem Autounfall verletzt, muss das Tier in die stabile Seitenlage gebracht und die Wunden versorgt werden. Auch bei Stoßverletzungen ist es unumgänglich, das verletzte Tier sofort zum Fachmann zu bringen. Bei ausgerenkten Wirbeln und Gliedmaßnahmen muss der Patient ruhig gestellt werden und gehört ebenfalls auf den Behandlungstisch. Im Falle einer Bissverletzung soll der Halter blutende Wunden mit Druck komprimieren, größere Wundflächen mit einem Tuch bedecken und stark blutende Wunden mit Druckverband und Abbinden versorgen, bevor das Tier schnellstmöglich zum Tierarzt gebracht wird.

Die zweite Notfall-Gruppe ist die Aufnahme von Fremdsubstanzen und - Körpern. Nimmt der Hund Giftiges zu sich - egal, ob Rattengift, Insektizid, Düngemittel, Benzin, Säuren oder Laugen -, ist schnelles Handeln erforderlich. “In diesem Fall sollte man dem Hund sofort die Maulhöhle ausräumen, um zu verhindern, dass noch mehr Gift in den Körper kommt”, weiß Alexander Körtel. Auch sollte Erbrechen ausgelöst werden, ähnlich wie beim Menschen: Indem man dem Tier die Hand auf die Zunge drückt, falls es dieses zulässt. “Unbedingt gilt es zu vermeiden, dass der Hund frisst oder trinkt. Keinesfalls verabreichen sollte der Hundehalter Milch, denn diese bindet viele Substanzen und es droht im schlimmsten Fall Herzversagen. In jedem Fall muss sofort der Tierarzt aufgesucht werden, am besten bringt man eine Probe des aufgenommenen Stoffes oder des Erbrochenen mit!”

Gefahr droht auch bei der Aufnahme von Fremdkörpern, zu denen auch Knochen zählen. Was viele Hundefreunde nicht wissen: Knochen können bei Vierbeinern schwerste Verletzungen in Magen und Darm anrichten, außerdem können starke Verstopfungen bis zum Darmverschluss drohen. Hat das Tier etwas Unverdauliches verschluckt und muss erbrechen, sollte der Halter es nicht daran hintern. “Jedoch soll auf keinen Fall hier Erbrechen ausgelöst werden”, warnt Tierarzt Körtel. Symptome wie unkontrolliertes Erbrechen und ein aufgetriebener, schmerzempfindlicher Bauch deuten darauf hin, dass ein Fremdkörper verschluckt wurde. Dann heißt es, so schnell wie möglich zum Tierarzt.

Unbedingt sollte man Hunde davon abhalten, an Kadavern zu schnüffeln oder diese womöglich zu fressen. Es droht die Gefahr von Botulismus, eine schwere Krankheit, bei der der Hund innerhalb kürzester Zeit sterben kann. Außerdem können Tiere vergiftet sein. Wer einen Garten hat, der sollte sich genau schlau machen, welche Pflanzen giftig sind. Buchs und Thuya, Oleander und Rhododendron - all das ist hübsch anzusehen, für Tiere aber höchst gefährlich. Der Verzehr von Giftpflanzen löst zum Beispiel Erbrechen, Durchfall und Atemnot aus. Die Fütterung von hundeunverträglichen Lebensmitteln wie Zwiebel, Avocado oder Schokolade (ganz besonders die mit hohem Kakaogehalt, dunkle Schokolade) kann sogar bis zum Herzversagen führen. In allen Fällen muss das Tier in die Hände des Experten. “Achtung an alle Raucher: Zigarettenstummel sind höchst giftig und sollten unbedingt außer Reichweite von Welpen und erwachsenen Hunden gebracht werden. Im Falle einer Nikotinvergiftung kann man kaum mehr etwas machen”, gibt Alexander Körtel zu bedenken.

Erste Hilfe geleistet werden muss schließlich auch noch bei Anfallsleiden und anaphylaktischen Schocks. Dazu zählt der epileptische Anfall. Wer einen Hund mit Diagnose Epilepsie hat, der sollte stets Anfallsblocker in der Tasche haben. Beginnt der Vierbeiner zu krampfen, muss er in die stabile Seitenlage gebracht werden. “Man sollte ihm einen Gegenstand ins Maul geben, damit die Zunge nicht verschluckt werden kann. Und die Augen bedecken, denn Lichtreize verstärken den Anfall”, erklärt der Tierarzt.

Im Sommer aktuell werden wieder die Thema Insektenstich (hier: falls möglich den Stachel entfernen, kühlen, den Hund in den Schatten bringen und bei Kreislaufversagen in der stabilen Seitenlage Mund-zu-Nase-Beatmung und Herzmassage durchführen sowie die Atemwege frei halten, bevor der Patient schnellstmöglich zum Tierarzt gebracht wird) sowie Hitzschlag. In letzterem Fall muss der Hund unverzüglich aus der Sonne gebracht werden. “Und dann braucht er Flüssigkeit. Aber bitte nicht den Fehler machen, ihm einen ganzen Napf Wasser auf einmal einzuflößen, das könnte erst recht zu Kreislaufversagen führen. Sondern ihm teelöffelweise Wasser geben: Alle drei Minuten einen Teelöffel Flüssigkeit!” Auch solle der Hund weder mit dem Wasserschlauch abgespritzt noch in der Badewanne abgekühlt werden. Gleiches gilt bei Kreislaufversagen. In beiden Fällen muss der Patient sofort zum Tierarzt.

Einen Rat gibt Tierarzt Alexander Körtel allen Hundehaltern: “Legen Sie sich eine Notfallapotheke zu. Es gibt hier bereits fertige Packungen mit allem, was zur Ersten Hilfe nötig ist, von Verbänden und Pflastern über Desinfektionsmitteln und Plastiksocken. Diese sind so handlich, dass man sie selbst bei einer Fahrradtour an den Gürtel schnallen kann. Wenn Sie sich dann noch eine gute Wundsalbe zulegen, sind Sie im Notfall gut gerüstet!” Melanie Bäumel


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